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Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Bösartige Tumoren des Gebärmutterhalses

Definition

Bösartige Tumoren der Gebärmutter sind die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Genitalorgane. Unterschieden werden Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers (Corpus uteri mit der Gebärmutterschleimhaut, dem Endometrium) und des Gebärmutterhalses (Cervix uteri). Diese Krebsarten unterscheiden sich grundsätzlich hinsichtlich Früherkennung, Krankheitszeichen, Diagnostik und Behandlung. Dieser Artikel beschreibt die Krebserkrankung des Gebärmutterhalses. Zum Endometriumkarzinom gibt es einen eigenen Artikel.

Bösartige Tumoren des Gebärmutterhalses, auch Zervixkarzinome genannt, entwickeln sich zumeist aus der Plattenepithelhaut im Bereich des äußeren Muttermunds. Bevorzugt entstehen sie im Übergangsbereich (Transformationszone) von Gebärmutterschleimhaut und Plattenepithel der Scheide. In seltenen Fällen entsteht Gebärmutterhalskrebs aber auch aus Schleimhautzellen des Muttermunds. Man spricht dann von einem Adenokarzinom. Die Entartung des Gewebes ist ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht und häufig durch bestimmte Arten von Viren ausgelöst wird. Da der Muttermund für eine Untersuchung gut zugänglich ist, können Zellveränderungen und Krebsvorstufen bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Gebärmutterhalskrebs ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland dank der Früherkennung eher selten geworden. Einstmals die häufigste Tumorerkrankung der Frau steht es heute nur noch an 12. Stelle aller Krebserkrankungen von Frauen. Vorstufen und Frühformen der Erkrankung werden meist bei Frauen zwischen 20 und 40 festgestellt und behandelt. Die Krebserkrankung selbst tritt häufig bei Frauen zwischen 40 und 59 auf. Ein weiterer Erkrankungsgipfel zeigt sich nach dem 60. Lebensjahr.

Ursache und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind noch nicht endgültig geklärt. Man kennt jedoch bestimmte Faktoren, die das Risiko einer Krebserkrankung des Gebärmutterhalses erhöhen.

Der mit Abstand wichtigste Risikofaktor ist eine Infektion mit bestimmten humanen Papillomaviren (HPV). Allerdings erkranken nur 3% aller Frauen mit HPV-Infektionen an  Gebärmutterhalskrebs.

Ein erhöhtes Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken besteht,

  • wenn bei Ihnen eine Infektion mit humanen Papillomviren vorliegt
    (HPV-Typen 16 und 18).
  • wenn der Arzt bei Ihnen im Zellabstrich einen ungünstigen Befund oder bereits eine Krebsvorstufe (Dysplasie) feststellt.
  • wenn Sie bereits in sehr jungen Jahren Geschlechtsverkehr und häufig wechselnde Sexualpartner hatten. Man geht davon aus, dass dadurch neben anderen Scheideninfektionen und Krankheiten auch häufiger HPV-Infektionen übertragen werden.
  • wenn Sie an chronischen Infektionen und Viruserkrankungen leiden, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden.
  • wenn die Immunabwehr Ihrer Scheide vermindert ist. Dazu kommt es vor allem durch chronischen Nikotinmissbrauch. Die Krebs erregenden Bestandteile des Zigarettenrauchs sind auch im Sekret des Gebärmutterhalses nachweisbar und können dort ihre schädigende Wirkung entfalten. Aber auch eine HIV-Infektion oder immunsupprimierende Medikamente können das Immunsystem schwächen.

Seit 2007 stehen in Deutschland zwei Impfstoffe gegen HPV-Viren zur Verfügung. Deren Anwendung bei Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr kann die Entstehung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebs nachweißlich verhindern. Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung aller Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren. Die Kosten der Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Früherkennung/Symptome

Da Vorstufen des Zervixkarzinoms und Zervixkarzinome im Frühstadium, in dem diese gut behandelbar sind, keine Beschwerden verursachen, ist die Früherkennung bei Ihrem Frauenarzt bzw. Ihrer Frauenärztin besonders wichtig. Durch jährliche Abstriche vom Gebärmutterhals und die frühzeitige Behandlung von Krebsvorstufen lässt sich die Entwicklung eines Zervixkarzinoms in vielen Fällen verhindern.

Fortgeschrittenere Zervixkarzinome äußern sich oft in Form folgender Symptome:

  • Unregelmäßige Blutungen, zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr
  • Blutungen nach Belastungen wie Rad fahren, Reiten oder hartem Stuhlgang

Auch unproblematische Veränderungen der Gebärmutter können irreguläre Blutungen verursachen. Dennoch sollte man diese als Warnzeichen betrachten und den Frauenarzt bzw. die Frauenärztin um Klärung der Ursache bitten.

Diagnose

Wichtige Untersuchungen zum Nachweis bzw. Ausschluss von Gebärmutterhalskrebs sind

  • die frauenärztliche Untersuchung (Spiegeleinstellung und Tastuntersuchung)
  • der Zellabstrich vom Gebärmutterhals (Pap-Test, Zytologie)

Bei auffälligen Befunden werden darüber hinaus eingesetzt:

  • der Nachweis von HP-Viren
  • die lupenoptische Betrachtung des Gebärmuttermunds und der Scheide (Kolposkopie)
  • die gezielte Gewebeentnahme von Gebärmuttermund und Gebärmutterhals (Biopsie)
  • die kegelförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses (Konisation)

Entscheidend zur Sicherung der Diagnose ist die feingewebliche Untersuchung von verdächtigem Gewebe unter dem Mikroskop durch den Pathologen.

Wenn ein Zervixkarzinom diagnostiziert wurde, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) des Genitals, der Niere und ggf. der Leber
  • Röntgenuntersuchung der Lunge bei fortgeschrittenem Lokalbefund
  • falls notwendig eine gynäkologische Untersuchung in Narkose mit Blasenspiegelung (Zytoskopie) und Darmspiegelung (Rektoskopie) bei fortgeschrittenen Karzinomen
  • Laboruntersuchungen (z.B. Tumormarker)
  • Computertomographie (CT) und/oder Kernspintomographie (MRT)
  • operatives Staging zur Bestimmung der Tumorausbreitung im kleinen Becken und den Lymphknoten (mittels Bauchspiegelung oder Bauchschnitt)

Wenn die erforderlichen Untersuchungsergebnisse vorliegen, bespricht Ihr behandelnder Arzt bzw. Ihre behandelnde Ärztin mit Ihnen den Therapievorschlag und eventuelle Alternativen.

Therapie

Behandlungsmethoden, die zur Therapie des Gebärmutterhalskrebses angewandt werden, sind

  • die Operation
  • die Strahlentherapie, fast immer in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie)
  • in weit fortgeschrittenem Stadium die alleinige Chemotherapie

Welche Therapie oder Kombination von Therapie durchgeführt wird, hängt von der Größe und Ausbreitung des Tumors ab.

Operation

In frühen Stadien ist die Operation die Therapie der Wahl. Ziel der Operation ist die Entfernung sämtlichen erkrankten Gewebes. In Abhängigkeit von der Größe des Tumors kann dies von einer alleinigen Konisation, über die einfache Gebärmutterentfernung bis zur radikalen Hysterektomie mit Entfernung des Halteapparats der Gebärmutter, eines Teils der Scheide und von Lymphknoten aus dem Becken und aus der Umgebung der Hauptschlagader und der unteren Hohlvene reichen. Sämtliche Varianten der Operation werden in unserem Zentrum entweder von der Scheide aus oder auf minimal-invasivem Wege vorgenommen.

Die große gynäkologische Tumorchirurgie ist ein Hauptanwendungsgebiet des da Vinci® Operationssystem  Da Vinci®S System. Durch Anwendung des roboterassistierten Verfahrens ist eine der offenen Operation mindestens gleichwertige onkologische Sicherheit ohne großen Bauchschnitt und damit erheblich reduzierter Belastung der Patientin möglich. Durch die präzise Präparation unter optischer Vergrößerung gelingt es leichter die Nervenstrukturen im Becken, die für die Funktion der Blase und das sexuelle Empfinden wichtig sind, zu schonen. Minimal-invasiv operierte Patientinnen erholen sich im allgemeinen erheblich schneller von der Operation und können deutlich früher in ihr normales Leben zurück kehren.

Bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren, wie tumorbefallene Lymphknoten oder eines sehr großen Gebärmutterhalstumors kann es erforderlich sein eine zusätzliche Radiochemotherapie durchzuführen mit dem Ziel das Risiko eines Krankheitsrückfalls zu mindern.

Strahlentherapie

Als Alternative zur Operation, insbesondere bei weit fortgeschrittenen Tumoren, die über die Gebärmutter hinausgewachsen sind und bereits die Beckenwand erreicht haben, wird die Strahlentherapie angewandt. Standard ist es heute diese in Kombination mit einer Chemotherapie als so genannte Radiochemotherapie durchzuführen. Ziel der Radiochemotherapie ist es, die Tumorzellen vollständig zu vernichten. Um dies zu erreichen, wird von innen, durch Einbringen einer Strahlenquelle in die Gebärmutter oder Scheide, und von außen, d. h. durch die Haut bestrahlt.

Chemotherapie

Bei Vorliegen eines bereits metastasierten Zervixkarzinoms ist eine Heilung nicht mehr möglich. In diesem Fall zielt die Therapie darauf ab, das Wachstum des Tumors zu stoppen und tumorbedingte Beschwerden zu lindern. In diesem Fall kommt eine Chemotherapie in Frage, die eine realistische Chance bietet, diese Ziele zu erreichen.

Beteiligung verschiedener Fachdisziplinen

An der Therapie des Gebärmutterhalskrebses sind verschiedene ärztliche Fachdisziplinen beteiligt. Grundsätzlich werden Therapien im Gynäkologischen Tumorzentrum interdisziplinär geplant, d. h. unter Einbeziehung von Spezialisten aus den verschiedenen relevanten Fachgebieten (Frauenheilkunde, Strahlentherapie, Radiologie, Anästhesie, medikamentöse Tumortherapie etc.).


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